Anna Olip-Jug

„Bilo je težko slovo vsi smo jokali …
(Es war ein schwerer Abschied, wir haben alle geweint …) “

Anna Olip wurde 1922 als jüngstes Kind einer slowenischsprachigen Bauernfamilie in Sele/Zell (Kärnten) geboren. Während ihrer Schulzeit wurde ab der zweiten Klasse nur noch auf Deutsch unterrichtet. Im Frühjahr 1940 flohen ihre drei Brüder vor der Einberufung zur Wehrmacht nach Jugoslawien. Daraufhin wurde die Familie sechs Wochen überwacht, bespitzelt und zwei ihrer Schwestern inhaftiert. Nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Jugoslawien 1941 mussten die Brüder nach Sele/Zell zurück und wurden von der Familie versteckt und versorgt. Am 14. April 1942 verschleppten die Nationalsozialisten Mutter, Vater und Töchter in „Umsiedlungslager“, zuerst nach Norddeutschland, später nach Bayern. Im November 1942 wurde die Familie wegen der Unterstützung von Deserteuren verhaftet. Nach sechsmonatiger Haft in Klagenfurt wurde Anna Olip gemeinsam mit zehn Frauen aus Sele/Zell nach Ravensbrück deportiert. Fünf von ihnen wurden dort ermordet.

„ Und da kam der 6. April [1941], der Hitlerüberfall nach Jugoslawien (…) Begannen wir in herber Bitternis zu erahnen, was uns erwartete. Plötzlich durften wir in der Schule, im Dorf, auf der Straße nicht mehr Slowenisch sprechen. In der Kirche war die Predigt, Gebet und Gesang nur mehr deutsch. Man nahm uns den Kultursaal weg und vernichtete die Bibliothek. Was glaubst wieviel Bücher da waren! Alles vernichteten sie, sie haben´s verbrannt. [Wir] verloren unsere wirtschaftliche Selbständigkeit und Spar- und Darlehenskasse. “




Audio:

Verfolgung und Widerstand der Kärntner SlowenInnen

1920 fand in Südkärnten eine Volksabstimmung statt, bei der 59% für den Verbleib bei Österreich stimmten. Von den slowenischsprachigen KärnterInnen wurde die völlige Assimilierung verlangt. Die Unterscheidung zwischen „deutschfreundlichen“ und „nationalbewussten“ SlowenInnen wurde vor allem vom Kärntner Heimatbund forciert, um die „bewussten“ SlowenInnen gezielt zu diskriminieren. 1938 wurde die öffentliche Verwendung des Slowenischen sowie die Organisation in Vereinen und Genossenschaften verboten. Viele slowenischsprachige Männer entzogen sich der Wehrpflicht oder desertierten. Die Zwangsumsiedlung von 917 SlowenInnen 1942 bildete einen Höhepunkt der antislowenischen Politik. Ab Ende 1942 leisteten viele SlowenInnen als Tito-PartisanInnen Widerstand in Südkärnten.



Anna Olip
(um 1937, Foto: privat).