Anna Lasser (1913–1943)
„Und wie g'sagt, mir warn' die Ärmsten unter den Armen.“ Stefanie Cudy, Tochter
Ihre Tochter Stefanie (Ausschnitt aus Interview, 1999):
„Ja, und von meiner Mutter weiß i sonst eigentlich nix, als wie dass sie da, wie wir mit der Fürsorge geholt worden sind, da hab is' no' g'sehn, auf des kann ich mich zwar erinnern, auch an die Kleidung, aber ich kann es nicht weitergeben. I kann mich erinnern, sie hat a Kleidl ang'habt, mit einer Jacken, die Haar hats' so zruckg'habt, und i sehs' heut' no' aufa gehn in der Albrechtsstraßen. Mehr kann i drüber net [red'n], ja?“
Und wie g'sagt, mir warn' die Ärmsten unter den Armen, mir hamm nix zum Essen g'habt, a Bett hamma g'habt, da samma zu dritt drinnen g'legen, mir hamm nichts zum Zudecken gehabt als wie an Mantel, oder was ma' halt so g'habt hat, zum Essen hamma nix g'habt, i bin täglich 'gangen, in der Martinstraßen, da is die -, früher hats' g'heißen s'Dreimäderlhaus, ja, da bin i halt alle Tag um mei' Klostersuppen 'gangen, wie ma' so schön sagt. I war net die einzige, es san mehrere 'gangen, aber i war halt a alle Tag dabei. Mit meine vier Jahr, fünfe, hab i scho' klopft, mei Reinderl eini, des kann i mi a no gut erinnern.“
Ihre Tochter Leopoldine (Ausschnitt aus Interview, 1999):
„… und von der Mutter wiss' ma' nur so viel, dass sie – durch eine Zeitzeugin, die i zufällig bei einem Fest in Gloggnitz getroffen hab', und die mir gesagt hat, dass i ihr so wahnsinnig ähnlich schau, und – Burger, Burger, des war elektrisierend für sie. Na dann hat sie mir gesagt, also, die Annerl is' in meinen Händen gestorben. (…)
Sie hat mir das gesagt, also, Ihre Mutter ist auch herangezogen worden zu sexuellen Handlungen, sie haben sie regelrecht geholt an Abenden, wenn diese SSler so Feste gefeiert haben, und sie is' dann krank geworden, dann hamms' es also weggeworfen.“